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Carl Laemmle verzockt sich im Schlössle - 1.8.17

Filmteam hat in Laupheim Szenen für eine Dokumentation über den Hollywoodpionier gedreht

Alfred Brehm aus Obersulmetingen spielt Carl Laemmle.

Von Thilo Bergmann

Laupheim - Ein Filmteam hat in der vergangenen Woche Halt in Laupheim gemacht, um Teile für eine Dokumentation über Carl Laemmle zu drehen. Die Spielszenen wurden mit Statisten aus der Region besetzt.

Carl Laemmle steht am Buffet und hält eine Tasse Kaffee in der Hand. Gleich muss er wieder in der verrauchten Pokerrunde Platz nehmen. Regisseur Jo Müller wird dann wieder Dinge sagen wie: "Mehr Nebel", "und bitte" oder auch "Ruhe am Set".

Schauspieler sein, das ist anstrengender als gedacht, erklärt Alfred Brehm, der Carl Laemmle verkörpert. Eigentlich sitzt Brehm im Gemeinderat und ist Rentner. Direkt beworben hat er sich für die Rolle nicht. "Ich bin eher dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kinde", sagt er und lacht. Bei der Verleihung des Carl-Laemmle-Produzentenpreises im März hat er nämlich versehentlich den falschen Kulturhaus-Eingang benutzt - und stand plötzlich inmitten der Feier für geladene Gäste. Dort wurde er dann vom Regisseur des Films angesprochen - und hat zugesagt. "Nur meine Brille muss ich abnehmen", sagt Brehm.

In der verrauchten Pokerrunde an dem Holztisch ist eine Ähnlichkeit zwischen dem Obersulmetinger und "Uncle Carl" nicht zu leugnen. Zwei Tage lang für zehn Stunden ist Alfred Brehm am Set. "Das ist ganz schön anstrengend, aber so langsam hab' ich den Dreh raus", sagt er.

Regisseur Jo Müller hat sich ganz bewusst für Laupheim als Drehort für die Spielszenen entschieden. Natürlich hätte man das auch im Studio machen können, erklärt er. Aber Laupheim sei etwas Besonderes. "Man spürt hier den Geist von Laemmle", sagt Jo Müller. "Das hört sich komisch an, aber hier ist er nunmal groß geworden." Überhaupt gefällt ihm Laupheim sehr. "Es sind sehr bodenständige Leute hier", sagt der Mann vom Film.

Das Endprodukt soll noch in diesem Jahr im Fernsehprogramm des Südwestrundfunks laufen: ein 90-minütiger Dokumentarfilm, für den 17 Drehtage angesetzt sind, unter anderem mit Interviews, Aufnahmen aus den USA und eben den Spielszenen aus Laupheim. Seit einem Jahr befasst sich Müller intensiv mit Laemmle, dazu hat er auch alle seine Filme erneut angeschaut. "Ich weiß aber schon ewig, dass es ihn gibt. Ohne ihn würde es kein Hollywood-Kino geben."

Jetzt darf geblufft werden: Das Filmteam dreht die Szene einer verrauchten Pokerrunde im Trauzimmer des "Kleinen Schlössle".  Fotos: Thilo Bergmann

Verrauchte Pokerrunde

Im Trauzimmer des Kleinen Schlössle in Laupheim hat der Film-ausstatter Felix Weyers ein Büro von Laemmle über verschiedene Etappen in seinem Leben dargestellt. Den schweren Holzschrank an der Wand hat Weyers kurzerhand in die Szene eingebaut. Am letzten Drehtag steht die verrauchte Pokerrunde auf dem Drehplan. "Alle Hollywoodriesen haben gespielt. Und Laemmle hat sich verzockt", sagt Jo Müller. In der Tat war der Gründer der Universal Studios ein leidenschaftlicher Spieler; unzählige Anekdoten berichten vom Glücksspiel in Tijuana (Mexiko) oder nächtelangen Pokerrunden in New York. Das hat der Regisseur Müller mit der zwielichtigen Atmosphäre und jeder Menge Kunstnebel darzustellen versucht.

Der Regisseur, der für die Hamburger Produktionsfirma Nova Entertainment dreht, ist fasziniert von Carl Laemmles Mut, Glück und Leidenschaft. "Und er war Schwabe, das ist für mich als Schwabe auch enorm." Laemmle als Produzent, Laupheim-Liebhaber und Held: "Eigentlich müsste man aus dem Leben von Carl Laemmle einen Spielfilm machen, aber das klaut mir dann wieder Hollywood", sagt Jo Müller und lacht. Dann geht er zurück an das Set. Heute müssen noch weitere Szenen gedreht werden.

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Ausgabe Laupheim vom 01.08.2017