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OB-Wahl: Rainer Kapellen verzichtet auf Kandidatur - 2.6.17

Laupheims Oberbürgermeister scheidet im März 2018 aus dem Amt - Er macht persönliche Gründe geltend

Von Roland Ray

Laupheim - Rainer Kapellen verzichtet auf eine erneute Kandidatur als Stadtoberhaupt von Laupheim. "Nach reiflicher und intensiver Überlegung" habe er sich aus persönlichen Gründen entschieden, bei der Oberbürgermeisterwahl Ende des Jahres nicht mehr anzutreten, gab er am Donnerstag bekannt. Seine Amtszeit endet am 4. März 2018.


Die kommunalpolitische "Bombe" platzte um 16.11 Uhr. In einer Pressemitteilung erklärte der 54-Jährige, dass für ihn nach einer Amtszeit als Rathauschef in Laupheim Schluss sein wird. Zuvor hatte er die Führungskräfte und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und die Ratsfraktionen in Kenntnis gesetzt.


"Die vergangenen acht Jahre habe ich als Ehre und Privileg empfunden, meinen Beitrag zur Entwicklung unserer Stadt leisten zu dürfen", heißt es in dem Schreiben an die Medien. "Diese acht Jahre waren herausfordernd, anstrengend und haben mir und meiner Familie einiges abverlangt - ich bin deshalb dankbar, dass es mir wieder gut geht."


Der Verzicht auf eine weitere Kandidatur falle ihm nicht leicht, so Kapellen, zumal er seine Aufgaben als OB nach wie vor gerne und mit großer Überzeugung und Leidenschaft wahrnehme. Seit seiner Wahl im Dezember 2009 übe er das Amt mit Respekt und Freude aus und werde das weiterhin tun. "Ich werde meine Aufgaben auch in den verbleibenden Monaten mit allem Ernst, mit Hingabe und Freude zum Wohle der Stadt Laupheim erfüllen und bitte um Verständnis für meine Entscheidung."


"Das ist keine Fahnenflucht"
Im Silvester-Interview der "Schwäbischen Zeitung" hatte Kapellen angekündigt, sich im ersten Halbjahr 2017 zu seiner beruflichen Zukunft zu äußern. Auf die Frage, ob er Vorbehalte habe, eine zweite Amtszeit anzustreben, antwortete er damals: "Nein, gar nicht. Es ist aber wie so oft im Leben: Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an." In Laupheim OB zu sein, sei eine schöne und lohnende Arbeit.


Am Donnerstag sagte Kapellen der SZ, er sei weder amtsmüde noch gefrustet - "das ist keine Fahnenflucht". Für seine Entscheidung seien verschiedene Faktoren von Bedeutung, und ein daraus resultierender Abwägungsprozess. Ein Faktor sei die Gesundheit, bestätigte er - "ich habe zwei kräftige Warnschüsse bekommen". Das spiele mit hinein, gebe aber nicht den Ausschlag. 2015 war Kapellen mehrere Monate im Krankenstand.


Ein anderer Faktor sei die Familie, "sie ist 30 Jahre zu kurz gekommen". Bevor er in Laupheim gewählt wurde, war Kapellen Erster Bürgermeister in Weingarten und Ortsvorsteher in Ailingen gewesen.


Auch die massive Kritik an Kapellens Amtsgebaren in Sachen Kleemeisterei - er verzichtete am Gemeinderat vorbei auf das städtische Vorkaufsrecht für ein Grundstück und ließ die Nutzungsbeschränkung löschen - hat offenbar Spuren hinterlassen. "Es hat mich sehr getroffen, wie man miteinander umgegangen ist", beklagt der OB. Er sei gebrandmarkt worden, auch seine Familie habe gelitten. Mit den Stadträten sei er nicht jeden Tag einer Meinung, "aber das ist normal". Für Laupheim wichtige Dinge habe man stets zusammen erarbeitet.


Erfüllt ihn der Verzicht mit Wehmut? "Aber sicher", sagt Kapellen. Für die Zeit nach dem Ausscheiden als OB habe er noch keine konkreten Pläne. "Zunächst möchte ich weiterhin meine ganze Kraft der Stadt Laup heim widmen." Dem Gemeinderat bleibe bis zur Sommerpause genügend Zeit, einen Fahrplan für die anstehende OB-Wahl festzulegen. Allgemein wird ein Wahltermin Anfang Dezember erwartet.

Das sagen die Fraktionsvorsitzenden

"Das hat mich überrascht", sagt Burkhard Volkholz (CDU). Er bedauert Kapellens Rückzug, hätte sich eine weitere Amtsperiode vorstellen können. Der OB habe "eine Menge auf der Habenseite", jedoch im Rat und in der Verwaltung auch Gegenwind zu spüren bekommen, wobei die Kritik nicht immer sachgerecht gewesen sei. Der Fall Kleemeisterei sei Kapellen an die Nieren gegangen, "das hat man ihm angesehen". Dass nun nach acht Jahren erneut ein Wechsel an der Stadtspitze ansteht, sieht Volkholz mit gemischten Gefühlen: Mehr Kontinuität würde Laupheim seiner Ansicht nach gut tun. OB-Wahl sollte vor Weihnachten sein, "weil sich das sonst über die Feiertage schleppt“.

Kommentar von Roland Ray

Laupheim boomt, die Wirtschaft floriert, der kommunale Schuldenberg ist zu großen Teilen abgetragen, Kitas schießen aus dem Boden, das Laemmle-Jubiläum sorgt für Glanz, der Mann kann reden - die äußeren Bedingungen für Rainer Kapellen, wiedergewählt zu werden, könnten günstiger kaum sein. Doch der OB will keine zweite Amtszeit und sagt im März dem Rathaus ade. Was für ein Paukenschlag!

Was den Ausschlag gab, darüber kann man nur spekulieren. Kapellens Gesundheit war angegriffen. Im Rat wirkte er zunehmend gereizt, wenn sich die Diskussion zog oder die Fraktionen mit Prioritäten jonglierten. Im Fall Kleemeisterei, den er sich selbst eingebrockt hat, wähnte er eine Hetzkampagne gegen sich im Gang. Aus dem Rathaus hört man's immer wieder rumoren.

Dass Kapellen nun ein halbes Jahr vor der Wahl für klare Verhältnisse sorgt, verdient Respekt. Es bleibt zu hoffen, dass im Rat und in der Stadtverwaltung auch unter einem OB auf Abruf konzentriert und sachdienlich weitergearbeitet wird. Denn es gibt jede Menge zu tun in dieser Stadt, und vieles eilt.

Der OB-Wahlkampf verspricht spätestens jetzt Spannung pur. Wobei es durchaus einen Unterschied macht, ob ein Herausforderer die angestammte Kraft zu verdrängen sucht oder das Feld für alle Kandidaten gleichermaßen offen ist. Im zweiten Fall ist in der Regel weniger Gift im Spiel.

Copyright Schwäbische Zeitung
Ausgabe Laupheim vom 2.6.2017